Die geplante Neugestaltung des Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts bereitet den Steuerberatern schon jetzt Kopfzerbrechen. „Der Mittelstand wird sich enorm schwer tun mit diesem Gesetz. Viele Unternehmen haben jetzt schon Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. Unter den neuen Bedingungen wird das noch schwerer werden. Wenn der Entwurf so Gesetz wird, sind neue Verfassungsklagen programmiert“, prophezeit Professor Dr. H.-Michael Korth, Präsident des Steuerberaterverbandes Niedersachsen Sachsen-Anhalt, beim traditionellen Vorabend-Empfang in der Celler Congress Union anlässlich der jährlichen Steuerfachtagung des Steuerberaterverbandes Niedersachsen Sachsen-Anhalt.

Seine vier Hauptkritikpunkte:

  • Die neue Definition von ,begünstigtem Vermögen‘ ist in der Praxis kaum nachzuvollziehen. Die ohnehin unklar definierten Zuordnungskriterien scheinen sich mehr an fiskalischen Interessen zu orientieren als an den Interessen der Unternehmer, ihr Unternehmen und damit Arbeitsplätze zu erhalten.
  • Wer bisher ein innovativer Unternehmer war und sich einen guten Ruf erarbeitet hat, der wird mit der neuen Erbschaftsteuer bestraft werden: Seine Nachfolger müssen erheblich mehr Steuern bezahlen als bisher.
  • Dass Unternehmen vierzig Jahre lang überwacht werden sollen, wenn sie ein erhöhtes Verschonungsbedürfnis geltend machen, ist genauso lebensfremd und praxisuntauglich wie das mehr oder weniger vollständige Verbot der Gewinnentnahme oder -ausschüttung.
  • Die Wahl zwischen Abschmelzmodell und abschmelzendem Verschonungsabschlag bei Großerwerbern ist so kompliziert, dass schon jetzt die Rede von einem ,Konjunkturprogramm für Steuerberater‘ ist. Korths Appell: „Wir brauchen keine Konjunkturprogramme für Steuerberater. Wir wollen vernünftige, gerechte Gesetze und keine weiteren Bürokratiemonster. Nur so werden Bürger weiter bereitwillig Steuern bezahlen.“

Die Steuerfachtagung findet mit gewohnt hochkarätigen und praxiserprobten Referenten am 23.und 24. September 2015 in der Celler Congress Union statt. Im Fokus der diesjährigen Steuerfachtagung steht die Beratung von mittelständischen Unternehmen.

Der Steuerberaterverband Niedersachsen Sachsen-Anhalt e.V. vertritt die Interessen von mehr als 5.000 Steuerberaterinnen und Steuerberatern. Der Verband setzt sich für ein bürger- und mittelstandsfreundliches Besteuerungsverfahren ein und fördert die Zusammenarbeit zwischen den Bürgern, den Angehörigen der steuerberatenden Berufe und der Finanzverwaltung.