Der Onlinehandel ist ein Markt mit Milliardengewicht und zweistelligen Zuwachsraten. Verkaufen und kaufen im Internet ist heute zu einem ganz normalen Bestandteil des geschäftlichen Lebens in Deutschland geworden. Allein auf einer der beiden großen Internetplattformenwerden ständig mehr als 70 Mio. Artikel in über 50.000 Kategorien gehandelt. Der Anteil der reinen Internet-Händler, Teleshopping-Unternehmen, Apothekenversender und eBay-Powerseller liegt weit über 50%.
Der deutsche E-Commerce- und Versandhandel ist wesentlich durch seinen auch grenzüberschreitenden Charakter gekennzeichnet. Im Rahmen der sog. „Versandhandelsregel“ unterliegt die Lieferung von Waren an Privatpersonen ab einer bestimmten Umsatzhöhe nicht der Umsatzsteuer im Inland, sondern der im Bestimmungsland. Unternehmen müssen sich in solchen Fällen teilweise mit hohem bürokratischem Aufwand auch im Bestimmungsland umsatzsteuerlich registrieren. Andererseits führen die verschiedenen Steuersätze nicht nur zu Risiken, sondern können in bestimmten Fällen die Marge erhöhen.

Die Unternehmereigenschaft fängt jedoch nicht erst beim Powerseller an. Aufgrund des im Internet möglichen anonymen Handels mit Pseudonymen ist die Gefahr von Steuerausfällen in diesem Bereich besonders hoch. Dieser versucht die Verwaltung z.B. mit Auskunftsersuchen nach § 93 AO zu begegnen. Das Seminar geht auf die steuerlichen Besonderheiten, Risiken, aber auch Chancen der „Branche“ ein. Die einzelnen Themen werden ausführlich und mit vielen für die Praxis relevanten Beispielen verständlich erläutert.

 

Referent(en) Joachim Vogt, Regierungsdirektor, Vorsteher Finanzamt Zschopau

Seminarinhalte für das Seminar „Aktuelle Steuerfragen beim Handel im Internet 2015“

  1. Unternehmen – Gewerbebetrieb
    1. Von Händlern, Sammlern, Powersellern und Verkaufsagenten
    2. Neuentwicklungen in der Rechtsprechung, BFH vom 26.04.2012;“Bewährte eBay-Vertriebsmaßnahmen“ als Merkmal nachhaltiger Tätigkeit
    3. Verkauf in eigenem Namen auf fremde Rechnung
    4. Sammelauskunftsersuchen der Steuerfahndung zu Daten der Nutzer einer Internethandelsplattform, BFH vom 16.05.2013
    5. Ausnahmefall § 23 EStG
  2. Beratungsschwerpunkt – Umsatzsteuer
    1. Überblick: Ort der Lieferung in besonderen Fällen § 3c UStG
      1. Folge: Steuerbarkeit / Registrierung in anderen Mitgliedstaaten
      2. Für den Lieferer erkennbare Merkmale
      3. Beförderung oder Versendung in andere Mitgliedstaaten durch den Lieferer
      4. Eigenschaft der Kunden – Endverbraucher und/oder Unternehmer?
      5. Funktion der Erwerbsschwelle
      6. Funktion der Lieferschwelle
      7. Option zur Nichtanwendung der Lieferschwelle
      8. Anmeldung nicht steuerbarer Umsätze (UStVA/Erklärung)
    2. Gestaltungsmöglichkeiten durch den Lieferer – das Spiel mit den Steuersätzen vs. Bürokratieaufwand
    3. Praktische Fragen in Zusammenhang mit der Registrierung
      1. Anschriften der im Ausland zuständigen Behörden
      2. Informationsquellen
    4. Steuerbefreiungen für Ausfuhrlieferungen
      1. Voraussetzungen und Nachweise
      2. Hinweis: Abgrenzung zu innergemeinschaftlichen Lieferungen
    5. Anwendung der Differenzbesteuerung
      1. Voraussetzungen – Erkennbarkeit
      2. Berechnung der Marge
      3. Option
      4. Grenzüberschreitende Differenzbesteuerung – Konkurrenz zu § 3c UStG
    6. Hinweis: sonstige Leistungen im Internet
      1. Gebühren für die Nutzung von Internetplattformen
      2. Konsequenzen bei Unternehmern für den nicht- oder unternehmerischen Bereich
  3. Beratungsschwerpunkt – Buchführung – Bilanz
    1. GoB im Internethandel
      1. Kaufmannseigenschaft im Internethandel
      2. Risiko: Abrechnung über elektronische Zahlungssysteme
    2. Aufzeichnungspflichten bei § 4 Abs. 3 EStG; Minimalanforderung: § 22 UStG
    3. Einnahmen und Debitoren in fremder Währung
    4. Anzahlungen
    5. Rückstellung für Gewährleistungen